Der neue Weg
zur Matura!

Warum erst seit
Sommer 2017?

Schon seit ihrem Start 2014 umfasste die Vision der Neuen Stadtschulen St.Gallen einen ungebrochenen Ausbildungsgang von der erweiterten Oberstufe bis zur Schweizer Maturität.

Nachdem die NSSG ab dem Herbst 2016 richtig Fahrt aufnahm und sich die Anzahl der Lernpartnerinnen und Lernpartner innerhalb von zwölf Monaten verdoppelte, stimmte der Verwaltungsrat der ambitionierten Idee zu, das angedachte Gymnasium zu realisieren. Bestärkt wurde der Entscheid durch den Wunsch vieler Eltern, dass Lernpartnerinnen und Lernpartner der Oberstufe auch ihren gymnasialen Weg an der NSSG absolvieren wollten.

Im Sommer 2017 schliesslich startete der erste Gymnasialzug mit dem Endziel der Schweizer Maturität mit zwölf Jugendlichen. Wie schon bei der NSSG-Oberstufe verfolgte das NSSG-Team auch hier konsequent die Idee, ein Gymnasium des 21. Jahrhunderts umzusetzen. Ein Gymnasium, wie es in der Ostschweiz und darüber hinaus einzigartig sein soll. Eine Ergänzung zu den vorhandenen privaten und kantonalen Angeboten – innovativ, unternehmerisch denkend, individuell und selbstgesteuert.

Was ist anders – wie sieht dieser neue Weg aus?

Zu den Besonderheiten des NSSG-Gymnasiums zählen ein Credit-System, individuelle Zeitgestaltung in allen Fächern, enge Begleitung durch Coaches, die Betonung des autonomen Lernens, modernste Technologien und smarte Software sowie das fest verankerte Reflektieren des eigenen Lernens. Anstelle des Klassenunterrichts, bei dem ein Lehrplan jedem Lernenden seine Lektionszahl via Stundenplan vorgibt, gilt hier die Bedarfsorientierung. Das bedeutet, dass jeder Lernpartner (Student) die Inputanzahl von seiner persönlichen Zielerreichung abhängig macht.

Eine eigens für das Gymnasium programmierte Lernplattform beinhaltet alle Lernziele und Materialien sowie ein Tool zur Planung der individuellen Zeitgestaltung. Möglich wird dieser neue Weg dank der von der Schweizerischen Maturitätskommission ausgearbeiteten Prüfung zum Erwerb des Schweizerischen Maturitätszeugnisses. Dieses Angebot ermöglicht individuelle Lernwege zu einem gemeinsamen Ziel und ergänzt damit die bereits bestehende Ausbildung der Neuen Stadtschule auf der integrativen Oberstufe und dem Progymnasium.

Aber warum braucht es das NSSG-Gymnasium?

Aktuelle Zahlen belegen, dass etwa jeder dritte Student die Universität ohne Abschluss verlässt.

Der Verband der schweizerischen Studierenden verlangt daher eine bessere Betreuung der Studenten, denn häufig mangelt es den jungen Studierenden nicht am Willen, sondern an der fehlenden Methodenkompetenz und der Fähigkeit, mit Freiheiten umzugehen. So müssen sie sich neben einem ohnehin anspruchsvollen und zeitintensiven Studium auch noch um die Erlangung der Fähigkeiten zur Anwendung von Arbeitstechniken, Lernplanung und Lernstrategien befassen. Ein Umstand, der vielen Studierenden zum Verhängnis wird. Daher hat es sich die NSSG nicht nur zum Ziel gesetzt, den Lernenden einen Hochschulzugang zu ermöglichen, sondern jene auch optimal auf das Studium vorzubereiten. Die Fähigkeit, Informationen zu beschaffen, zu strukturieren, auszuwählen und darzustellen, ist somit eine zentrale pädagogische Aufgabe des Gymnasiums.


Ein weiterer Punkt, der für eine Belebung der Ostschweizer Gymnasiallandschaft spricht, sind die sehr tiefen Maturitätsquoten. So besitzen der Kanton St. Gallen (14,2%) und der Kanton Thurgau (14,6%) die niedrigsten Maturitätsquoten der Schweiz. Verglichen mit dem Kanton Basel-Stadt mit über 30% zeigt sich hier ein grosser Aufhol- und Innovationsbedarf, der mit den vorhandenen Kantonsschulen nicht erreicht werden kann.

Nichts erinnert an eine
übliche Schule

Im Bildungskanon dominiert die Forderung nach Kompetenzen wie Kreativität und Sozialkompetenz, aber wie lässt sich erstere erhalten und letztere entwickeln? Wohl kaum durch eine Lernanordnung, die auf stundenlanges, gemeinsames, gleichzeitiges und gleich langes Zuhören in einer Schulzimmerumgebung setzt.

Die Neue Stadtschule kennt kein klassisches Schulzimmer, dafür ein «Basislager» für Lernprozesse und Zielerreichung, welches als begleitetes Lernatelier genutzt wird. Nichts erinnert an eine übliche Schule, und trotzdem – oder gerade deshalb – ist das positive Lernklima überall spürbar. Während in einem altbewährten Gymnasium die Lehrer die Planung vorgeben, sind es an der NSSG die Lernpartnerinnen und Lernpartner, die ihre Lernwochen selbstständig oder zusammen mit ihren Lernbegleitenden und ihren Coaches planen. Sie legen fest, wann sie abseits der fest verankerten Fachinputs an welchen Fächern arbeiten. Das Konzept orientiert sich also unmittelbar an den Bedürfnissen der Lernenden: Wer beispielsweise mehr Hilfe in Mathematik braucht, erhält diese; wer weniger Französischinputs braucht, kann jene reduzieren. Es gibt keine Klassen mehr, sondern Lerngruppen, in welchen sich die Lernenden – begleitet durch einen Coach – gegenseitig unterstützen und motivieren.

Bleibt alles anders: das W2F-Prinzip

Der Lernende kommt nicht als unvorbereiteter Zuhörer in einen Input, in dem der Lehrer unbekannte Dinge erklärt, sondern hier bereiten sich die Lernenden mit strukturierten Materialien auf den «Unterricht» vor. Der Fachbegleiter trifft damit auf Lernpartner mit einem guten Vorwissen. Lernen erfolgt demnach in drei Schritten:

W wie Wissen

Wissen selbstständig erarbeiten. Im Gymnasium der NSSG geht man einen ganz anderen Weg. Einzeln oder in Gruppen und anhand von strukturierten Materialien (Video, Bücher, Unterlagen) erarbeiten die Lernenden das Grundwissen der zu erreichenden Lernziele vorgängig.

F wie Fragen

Fragen beantworten und Wissen anwenden. Mit dem erarbeiteten Vorwissen besuchen die Lernenden den Input des Fachbegleiters. Hier werden Fragen beantwortet, Inhalte geklärt und Transferwissen erörtert.

F wie Feedback

Feedbacks zur selbstständigen Zielüberprüfung. Um den Lernenden die Gewissheit zu geben, dass sie die Ziele erreicht haben, absolvieren sie dazu ein Feedback. Ist das Ziel erreicht, folgt die nächste Sequenz, andernfalls erfolgt eine Repetition in der autonomen Lernzeit.

Ist das nicht alles
viel zu offen?

Es gibt natürlich keine absolute Freiheit. Deshalb überprüfen wir regelmässig, ob die Lernziele wirklich verstanden sind. Es gibt drei Arten von Lernzielkontrollen: Feedbacks pro Step, Milestones und Semesterprüfungen. Bei den Steps handelt es sich grob umschrieben um Wochenlernziele, die mithilfe eines Feedbacks online überprüft werden. Die Milestones sind schriftlich und dienen der Überprüfung ganzer Themenblöcken und der Stärkung des Lerntransfers. Am Ende eines Semesters werden schliesslich alle Fächer analog zur Schweizerischen Maturitätsprüfung schriftlich und mündlich geprüft.


In der eigenen Lernplattform finden die Lernpartnerinnen und Lernpartner zudem immer den aktuellen Fortschritt in allen Fächern und auch den Gesamtfortschritt für die beiden Teilprüfungen der Maturaprüfung. Dies hilft den Lernenden und den Coaches, stets den Überblick zu behalten.

Gibt es feste Schulzeiten?

Die Lernenden arbeiten grundsätzlich von 8.30 bis 16.30 Uhr an der Neuen Stadtschule. Das Mittagessen findet gemeinsam in den Räumen der NSSG statt und ist ein wichtiges Ritual, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Darüber hinaus können die Lernenden jederzeit früher kommen oder später gehen, und auch am Wochenende steht ihnen das Lernhaus jederzeit offen. Wer sich durch gute Noten und durch gute Sozial- und Methodenkompetenz auszeichnen konnte, hat als «Master of Learning» zudem die Möglichkeit, seine Lerntage individuell zu planen.
Als Reflexionsinstrument nutzen die Lernpartnerinnen und Lernpartner ein geeignetes Tagesrapport-System. Mit diesem Instrument denken sie über ihr Lernen nach, beschreiben ihre Lernfortschritte und benennen ihre weiterführenden Ziele.
Auch die in Fachkreisen gerne zitierte Haettie-Studie, welche Bedingungen für Lernerfolge erforschte, unterstützt diesen Ansatz der NSSG. Die Studie stellt an Schulen unter anderem folgende Forderungen:

  • Angemessene Lernstrategien lernen (Methodenkompetenz und Sozialkompetenz)
  • Das eigene Lernen reflektieren (Tages- oder Wochenrapporte)
  • Das Lernen planen und darüber sprechen (W2F und Coaching)
  • Feedback über das Lernen einholen (Feedbacks zu Steps und Milestones)

STUNDENPLAN

Drei oder vier Jahre?
Wie geht das?

Verschiedene Lerntypen,
flexible Dauer

Die individuellen Lernwege bringen es mit sich, dass auch die Dauer der Ausbildung an der NSSG flexibel und angepasst sein muss. Enges Coaching ermöglicht es, von der geplanten Dauer von drei Jahren nach unten oder oben abzuweichen. Gerade sehr begabte Jugendliche können so in ihrem Tempo arbeiten und müssen sich nicht von einem Klassenverband einbremsen lassen. Möglich ist diese Flexibilität dank der Schweizerischen Maturitätskommission. Denn die schweizerische Maturität ermöglicht einerseits eine freie Gestaltung der Ergänzungs- und Schwerpunktfächer, andererseits aber auch eine flexible Zeitgestaltung.

Zweimal im Jahr werden Maturaprüfungen in allen Fächern angeboten, die abwechslungsweise in Basel, Zürich oder Bern stattfinden. Die Schweizer Maturität sichert den Zugang zu sämtlichen Schweizer und vielen internationalen Universitäten.